Mo Sep 10, 2007 1:51 am
Hi!
Ich bin jetzt schon seit circa zwei Wochen wieder in germany und ich finde es wird so langsam mal Zeit für einen Abschlussbericht. Es fällt mir nicht gerade leicht alles in Worte zu fassen, weil ich im letzten Jahr einfach viel zu viel erlebt habe um alles aufzuschreiben und mir so viele Gedanken durch den Kopf gehen, dass ich noch nicht mal weiß wo ich Anfangen soll. Ich werde aber trotzdem versuchen es so gut wie möglich in Worte zu fassen und sage im voraus schonmal sorry, falls es zu chaotisch wird Wink
Rüchblickend muss ich echt sagen, dass es die beste entscheidung meines Lebens war als Aupair nach Amerika zu gehen und dass ich hier ne richtig klasse Zeit hatte, in der ich viel erlebt und dazu gelernt habe.
Trotz alledem war es nicht immer leicht. Schon vor meinem Abflug war ich wahnsinnig traurig und ich habe stark daran gezweifelt das richtige zu tun. Gerade in der Anfangszeit wäre ich liebend gerne einfach zurück nach Hause geflogen und Tage wie Geburtstag, Weihnachten und ähnliches waren nicht gerade die schönsten momente meines Aupairlebens. Manchmal habe ich mich einfach nur einsam gefühlt, denn die Amerikaner sind total anders als die deutschen. Ich habe auch erfahren (was ich natürlich auch schon vorher wusste) dass Gasteltern niemals die richtigen Eltern ersetzen können, was natürlich besonders weh getan hat als ich beispielsweise krank war und nicht, so wie ich es eigentlich gewohnt bin, bemitleidet und bemuttert wurde. Solche Situationen haben mich das ganze Jahr über daran erinnert wie sehr ich meine Familie und freunde vermisse und zu heimweh geführt. Es ist nicht leicht so weit von seinem zu hause entfernt zu sein, aber wenn ich an all das Schöne des letzten Jahres denke hat es sich auf jeden Fall gelohnt auch die schweren Momente durchzustehen! ich wollte aber auch diese hier mal erwähnt haben, denn sie gehören auch dazu, wenn man sie im nachhinein auch leicht vergisst. Eins ist auf jeden Fall klar: ohne die Untrerstützung von zu Hause hätte ich das nie gepackt! danke dafür!
Nun aber zu den schönen Augenblicken des letzten Jahres, die auch definitiv überwiegen. Für mich war es schon toll einfach mal in den USA zu leben, denn das war schon immer mein Traum! Alles ist so wie im Film und wird irgendwann zum Alltag! Ich habe typische amerikanische Feiertage wie Hallowwen, Thanksgiving und Weihnachten gefeiert, amerikanisches essen probiert und einfach wie ein amerikaner gelebt. ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen die amerikanische Kultur kennzulernen.
Außerdem hatte ich auch riesiges Glück mit meiner Gastfamilie. Es war zwar vieles ganz anders als ich es aus meiner deutschen Familie gewohnt bin, aber ich wurde trotzdem immer fair behandelt. Meine Gasteltern haben für mich eine Geburtstagsparty geschmissen, an Weihnachten habe ich einen eigenen “Stocking” bekommen und auch ansonsten wurde ich in die meisten Familienaktivitäten mit einbezogen! Meine Gastkinder waren super lieb und auch kein bisschen verwöhnt. Josh hat es geliebt Gesellschaftsspiele mit mir zu machen, und Matthew war einfach nur niedlich. Ich hatte ein sehr gutes verhältnis zu “meinen” Kids und vermisse sie jetzt auch ganz schön. Mit Josh hatte ich das ganze Jahr über viel Spaß und Matthew hat angefangen zu sprechen. Ich werde nie vergessen wie er stolz seine ersten Worte gesagt hat, oder wie Josh mich immer wieder in seinem Lieblingsspiel Monopoli geschlagen hat. Ich habe die beiden ganz schön ins Herz geschlossen.
Zum Glück habe ich hier auch die besten Freunde gefunden, die ich mir hätte wünschen können. Wir waren eine tolle siebener Clique, die aus Bruna und Marcia (Brasilien), Ofelia und Daniela (Mexico) und Lejla (Bosnien) und Sarah (Deutschland) bestand. ich bin sehr froh darüber Freunde aus anderen Ländern gefunden zu haben, denn so habe ich viel über andere Kulturen gelernt. Ich habe zum Beispiel das mexikanische Essen zu schätzen gelernt, lustige spanische und portugisische Worte gelernt und natürlich jede Menge Spaß mit den Mädels gehabt. Ich hoffe unser Kontakt reißt nicht ab und wir haben irgendwann mal die Chance uns gegenseitig zu besuchen!
In meiner Freizeit habe ich die gegend erkundet und war zB 2 mal in Boston, in Washington D.C., unzählige Male in New York City und in meinem Reisemonat an der Westküste! Ich habe viel Spaß in der Mall, beim Bowling, am Strand, im Kino oder einfach bei Filmnächten zu Hause gehabt und habe sogar neue Hobbies wie das Scrapbooking entdeckt.
Soviel also zur Zusammenfassung meines Jahres! jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was hat mir das alles überhaupt gebracht?
Dazu kann ich nur sagen EINIGES!!!
Erstmal hat sich natürlich mein englisch enorm verbessert, aber nicht nur das! Außerdem habe ich mich persönlich in dieser Zeit ganz schön weiterentwickelt. Ich bin selbstbewusster beworden und habe gelernt mich an neue Situationen zu gewöhnen und mich anzupassen. Ich bin mutiger geworden, traue mir selbst mehr zu und stehe viel mehr auf eigenen Beinen als ich es noch vor meiner Abreise getan habe! Ich habe über den Tellerrand hinaus geschaut, eine ganz andere Kultur kennengelernt und sogar in ihr gelebt. Außerdem habe ich auch schwierige Situationen gemeistert, worauf ich sehr stolz bin! Ich habe zum ersten mal im Leben einen richtigen Job ausgeübt und auch Anweisungen befolgt, die ich selbst nicht unbedingt als sinnvoll betrachtet habe.
Außerdem habe ich gemerkt wie schön deutschland doch ist und dass ich froh bin nicht immer in amerika leben zu müssen, weil die Amis einfach überhaupt keine traditionen und auch keinen Sinn für Gemütlichkeit haben. Mir ist zum ersten mal richtig bewusst geworden wie schön mein zu Hause doch ist und habe es zu schätzen gelernt in einer so tollen Familie aufgewachsen zu sein! Mir ist auch zum ersten mal aufgefallen, dass es gar nicht mal schlecht ist mit Messer und Gabel zu essen, nicht alles in der Mikrowelle zu kochen, nicht ständig gute Laune vorzuheucheln und auch mal an die Umwelt zu denken;) (Wer mal selbst in Amerika war weiß sicher was ich meine!) Ich kann nun gut mit Kindern umgehen und weiß schon jetzt wie ich meine eigene Familie später haben möchte (und natürlich wie ich sie nicht haben möchte Wink)
Außerdem habe ich mich in dieser Zeit dazu entschieden Jura zu studieren und habe auch festgestellt, dass ich niemals mein Leben lang mit einer größeren Gruppe jüngerer Kinder arbeiten könnte!
Meine Beziehung zu meiner familie und meinen Freunden wurde auf die Probe gestellt und ich weiß nun, dass ich immer auf sie zählen kann, was auch passiert!
Nun zu meinem Leben zurück in Deutschland!
Als ich hier ankam war es für mich so als wäre ich niemals weg gewesen, alles war so vertraut wie immer! Schön! Natürlich vermisse ich meine amerikanischen Freunde und auch die Kinder sehr! Viele Dinge sind in den USA auch einfach nur cool und fehlen hier einfach, aber dafür genieße ich das, was ich drüeben vermisst habe! Da matthew noch so klein ist wird er mich wahrscheinlich im Laufe der Zeit vergessen, was mir schon weh tut, weil ich in der letzten Zeit ja fast sowas wie eine Mutter für ihn war, aber daran lässt sich nichts ändern. Mein Leben geht halt weiter…
Im Oktober fange ich mein Jurastudium in bielefeld an, worauf ich mich schon sehr freue! In den ersten tagen habe ich meine Familie und auch einige meiner Freunde wieder gesehen, ein neues Auto und handy gekauft und es genossen deutsche Musik zu hören, deutsche produkte zu essen und natürlich zeit mit meinen eltern zu verbingen. Es läuft also alles so langsam wieder in geregelten Bahnen.
Letzten Freitag haben meine Freunde eine Überraschungsparty für mich organisiert, womit ich absolut nicht gerechnet hätte! Ich war schon ein bisschen traurig weil sich in den Tagen davor niemand bei mir gemeldet hatte und als ich dann etwas aus dem Gartenhäuschen holen wollte standen alle hinter der Tür und haben “Überraschung” gerufen! Ich habe mich ganz schön erschrocken, aber mich auch riesig gefreut!! Sie hatten sogar Essen und Getränke mitgebracht und wir haben bis nach 1 Uhr nachts geredet, das war mal wieder schön. Außerdem wollte ich auch schon immer mal überrascht werden!
Wie man sieht geht es mir hier also sehr gut! Ich bin froh das Jahr gemacht zu haben und kann es auch nur jedem emfpehlen, denn diese Erfahrungen die man hier sammelt wird man für immer in erinnerung behalten und so viel kann man auch nur in einem ganzen Jahr erleben. Jetzt bin ich aber auch genauso froh wieder hier zu sein, denn ein Jahr ist lang und am Ende war ich auch bereit wieder zueück zu kommen!
Nach diesem langen Eintrag ist es also wohl Zeit sich von meinem Tagebuch zu verabschieden! Das ganze Jahr über hat es mich begleitet und es hat immer Spaß gemacht Einträge zu schreiben! Vielen Dank an alle, die das ganze Jahr über mitgelesen und ihre Meinung dazu in Form von Kommentaren, Gästebucheinträgen und Emails mit mir geteilt haben. Wer wissen will wie es mit meiner gastfamilie weitergeht, kann das im tageuch von *Nora* nachlesen.
Bye, Jenni